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Schlagwort: Juchheim

Der Baumkuchen zum Valentinstag

Der Aufdruck auf der Tüte
Wer oder was ist damit gemeint?

Die Einkaufstüte

Während man in Deutschland bereits seit einiger Zeit prinzipiell keine Einkaufstasche oder -tüte mehr bekommt, ist die Einkaufstüte in Japan bei Qualitätsprodukten immer noch Standard. Mehr noch: Die bedruckte Tüte ist häufig ein Bestandteil des Produkts. Undenkbar, dass die japanische Frau ein Kleidungsstück oder ein Stück Kosmetik in einem Kaufhaus kauft, ohne die entsprechende Tüte dazuzubekommen. So sieht man schon von außen, was sich jemand leisten kann. Die Tüte ist sogar so wichtig, dass sie von dem Verkaufspersonal des Kaufhauses bei Regenwetter noch einmal in durchsichtiges Plastik verpackt wird. Von der Kaufhauskette Daimaru (大丸) wird das sogar in einem Manga für Ausländer als besonderer Service angepriesen.

Und auch bei Qualitätsbaumkuchen bekommt man eine besondere Tüte. In diesem Fall mit dem Aufdruck: So süß So glücklich. Was mag sich darin wohl verbergen?

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Baumkuchen in Japan

Baumkuchen-1

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich in Deutschland je einmal Baumkuchen gegessen hätte. Nicht, dass es gar keinen Baumkuchen in einschlägigen Konditoreien geben würde. Aber es gibt so viele andere leckere Kuchen, dass ich nie das Bedürfnis hatte, einen Baumkuchen zu essen. Darüber hinaus ist Baumkuchen im Südwesten von Deutschland ein eher seltenes Gebäck. Ganz anders in Japan: Hier gilt Baumkuchen als der Inbegriff der deutschen Kuchenbackkunst.

Baumkuchen kann man 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr in vielfältiger Form in jedem convenience store (Japanisch konbini) erwerben. Wenn einem Japaner nachts um drei die Lust auf deutsche Backkunst überkommt oder einem deutschen expatriate zum Kaffee ein heimatliches Gebäck fehlt, ist ein konbini garantiert nicht weit.

Und der Fantasie sind in Japan im Hinblick auf Baumkuchen keine Grenzen gesetzt. Welche Blüten die Liebe der Japaner zum deutschen Baumkuchen treiben können, möchte ich auf dieser Seite in unregelmäßigen Abständen zeigen.

Die Ursache für den Baumkuchen-Boom geht wahrscheinlich auf die Firma Juchheim zurück, die vor über 100 Jahren die deutsche Konditorkunst nach Japan gebracht hat (update Februar 2021: sehr schön nachzulesen bei Marieluise Erhart).

Karl Juchheim kam als Kriegsgefangener über Tsingtau in China nach Japan. Als ausgebildeter Konditor buk er deutschen Kuchen, darunter auch Baumkuchen, der ein durchschlagender Erfolg wurde. Seinen ersten Konditorladen eröffnete Karl Juchheim in Kobe. Inzwischen gibt es Juchheim-Konditoreien in ganz Japan. Darüber hinaus können Juchheim-Produkte in allen größeren Kaufhäusern erworben werden. Sie sind ein beliebtes Geschenk zu allen Gelegenheiten.

Ich möchte nicht verhehlen, dass ich im Laufe der Jahre ein großer Fan des Baumkuchens in allen Varianten, nicht nur von Juchheim, geworden bin. Dieser Blog wird daher mit großer Sympathie zum Einfallsreichtum der japanischen Konditoren geschrieben. Vielleicht gibt es auch den ein oder anderen deutschen Konditor, der eine Anregung aus den Beschreibungen ziehen kann. Wenn die Texte jedoch nur unterhalten und ein Staunen über die fremde Kultur, die andererseits wiederum so nahe ist, hervorrufen, ist der Zweck der Texte ebenso erfüllt.

Interessieren würde mich auch, ob es eine derartige Adaption von deutschem Essen auch in anderen Ländern gibt.

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