Lernen und Lehren mit Medien

Schlagwort: Vokabeltrainer

Vokabeltrainer des Cornelsen Verlags

Die bisher besprochenen Vokabeltrainer simulieren alle mehr oder weniger einen Karteikasten mit Karteikarten, die in verschiedene Fächer einsortiert werden, je nachdem, ob die Inhalte korrekt memoriert wurden oder nicht.

Dies ist nicht besonders innovativ, denn dieses Verfahren berücksichtigt nicht die besonderen Fähigkeiten eine Smartphones. Ein Smartphone kann mehr als nur ein Objekt der realen Welt mehr oder weniger realistisch als Grafik darstellen. Es kann feststellen, wo wir uns befinden, uns regelmäßig an etwas erinnern, Sprache in Text und Text in Sprache umwandeln und noch einiges mehr, das vielleicht für das Sprachelernen momentan nicht relevant ist.

Auf einen – kleinen – Teil dieser Fähigkeiten greift das Vokabelprogramm von Cornelsen zu.

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Vokabeltrainer des Hueber Verlags

Anders als die bereits besprochenen Vokabeltrainer von Klett und dem Goethe-Institut, ist die Deutsch-Box von Hueber im skeuomorphistischem Design gehalten, d.h. auf der zweidimensionalen Oberfläche der App wird ein dreidimensionales Objekt aus der reellen Welt imitiert (Bild 1), nämlich ein Karteikasten mit den drei Registern Falsch, Neu und Richtig. Außerdem gibt es ein weiteres Register mit einem Papierkorbsymbol. Beim Aufruf der App wird man darauf aufmerksam gemacht, dass der leere Karteikasten mit Lernkarten zunächst aufgefüllt werden muss, bevor man mit ihm arbeiten kann.

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Vokabeltrainer des Goethe-Instituts

Das Goethe-Institut ist die Institution für die Sprache und Kultur Deutschlands. In der Selbstwerbung heißt es kurz und bündig: „Sprache. Kultur. Deutschland.“ So auch auf der Startseite des Vokabeltrainers des Goethe-Instituts. Man darf also einiges erwarten. Der Vokabeltrainer wurde für das iPhone 6 bzw. iPad 4 mit iOS 8 und 9 getestet.

 

INFO

Auf einen Blick

Plattform und Preis
iPhone, iPad, Android – kostenlos
Inhalt
Vokabeln für DaF nach Niveau (A1-C2) geordnet
Modi
Lernen mit Karten, Muttersprache→Deutsch und umgekehrt sowie Deutsch-Deutsch
eigene Gestaltung
konnte nicht getestet werden, da das Programm dabei dauerhaft abgestürzt ist
Empfehlung
nicht installieren, da technisch unzulänglich und inhaltlich unausgereift; besser auf Alternativen zurückgreifen

Menüführung

Nach dem Öffnen gibt es drei Auswahlmöglichkeiten:

  • Lernen: startet den Lernmodus mit bereits vorhandenem Wortmaterial
  • Neue Inhalte: bietet die Möglichkeit, sich mit einer „GI Lernplattform“ zu vernetzen, eigene Inhalte einzutragen („Meine Inhalte“)
  • ein Menü namens „Titelsuche“.
  • Vokabeltrainer Goethe-Institut

Das Menü „Titelsuche“ führt zu einer Seite, auf der man die „Sprache für die Lernkarten“ auswählen soll. Es wird eine große Vielfalt von mit Deutsch gepaarten Sprachen angeboten. Meine Aufmerksamkeit erregt die Kombination Deutsch/Tahitisch (Bild 4). Hat das GI tatsächlich die Minderheit der ca. 150.000 Personen, die Tahitisch sprechen als Zielgruppe entdeckt? Wie viele davon wohl Deutsch lernen wollen? Wird gar demnächst ein GI in Tahiti eröffnet? Leider muss ich alle Tahitianer, die eventuell diese Rezension lesen, enttäuschen: Es handelt sich einfach um einen unglaublichen Fehler, denn gemeint ist Thailändisch. Peinlich! Zu allem Überfluss wird der Screenshot mit dieser Sprachauswahl auch noch auf der offiziellen Hilfeseiten des GI für den Vokabeltrainer stolz gezeigt (UPDATE Feb. 2021: der Screenshot wurde zum Glück inzwischen entfernt). Als letzte Sprache in der wirklich langen Liste wird noch Deutsch/Vietnamesich angeboten. Aber dieser letzte Eintrag in der Liste ist verdeckt, da die Programmierer nicht genügend Freiraum vorgesehen haben. Man kann die Liste zwar noch ein wenig nach oben schieben, sodass man Vietnamesisch dann sehen kann. Nimmt man jedoch den Finger vom Bildschirm, um Vietnamesisch anzutippen, springt die Sprache wieder zurück in ihre Deckung und bleibt verschwunden. Kurz: Vietnamesisch ist zwar vielleicht korrekt vorhanden, kann aber nicht ausgewählt werden. Ärgerlich! Um die Liste der offensichtlichen technischen Fehler abzuschließen: Der Klick auf „Titelsuche“ produzierte regelmäßig auf dem Rezensionssystem den Fehler von Bild 3. Jedoch nur jedesmal nach einem Neustart der App. Nachdem die Fehlermeldung einmal weggeklickt wurde, wurde beim nächsten Aufruf von „Titelsuche“ dieser Fehler nicht mehr angezeigt. Lästig, aber zu verschmerzen. Dennoch: Bei so vielen, teilweise gravierenden Fehlern, stellt sich mir die Frage, ob es eigentlich eine/n Projektleiter/in oder Lektor/in für dieses Projekt gab, die/der die Funktionalität der App einmal kritisch überprüft hat? Kaum vorstellbar.

Inhalte laden

Wenden wir uns im Folgenden den Inhalten zu. Wir starten vom Home-Bildschirm (Bild 2):

  • Neue Inhalte
  • Themensuche, Sprache: Deutsch/Englisch Niveau: A1
    • Angeboten wird dort das Thema „Mein Weg nach Deutschla…“ (Bild 9)
  • Niveau: A2, B1, C1
    • Angeboten wird dort nichts.
  • Niveau: B2
    • Angeboten wird dort „Beruf“

C2 kann aus den gleichen Gründen wie Vietnamesisch nicht ausgewählt werden. Man könnte auch statt der „Themensuche“ eine „Titelsuche“ starten. Es erscheint dann die Suchmaske von Bild 8. Die lässt, zumindest mich, ziemlich ratlos zurück: Welchen Suchbegriff soll ich da eingeben? Ich habe verschiedenes versucht: Sowohl allgemeine Begriffe (Tisch, Universität etc.) als auch Titel von DaF-Lehrwerken (Themen, studio d etc.), denn es ist ja eine Titelsuche. Beides führte zu keinem Ergebnis. Auch die Suche auf den offiziellen Internetseiten zu dieser App und der Klick auf den Link „Hilfe & Impressum“ innerhalb der App, klärten das Problem nicht, da es dazu keine Informationen gibt. Da mir meine Zeit zu schade für weiteres Herumrätseln war, habe ich schließlich aufgegeben. Gehen wir also zurück zu „Mein Weg nach Deutschland – Niveau A1“. Es werden elf Unterkapitel angeboten. Worin sie sich unterscheiden, ist nicht klar. Ich klicke daher auf das erste und werde auf einem weiteren Screen aufgefordert 74 Karten herunterzuladen. Danach stehen mir die Inhalte für das „Lernen“ zur Verfügung.

Lernen

Ein Klick auf „Lernen“ führt uns zu einer Bildschirmseite, auf der der Lernmodus sowie weitere, das Lernen betreffende Informationen, ausgewählt werden können (Bild 7). Auch dieser Trainer verfährt nach dem Leitner-Karteikartensystem, das schon früher beschrieben wurde. Alle Karten sind zunächst in der „Box 1“: Box anklicken, auf den Pfeil am rechten unteren Rand klicken und man kann mit dem Lernen beginnen (Bild 8). Gezeigt wird eine virtuelle Karteikarte, auf der eine Vokabel steht. Unter einem Mittenstrich darunter, ein Beispielsatz (Bild 9). Weiterhin kann man sich die Vokabel und den Beispielsatz vorlesen lassen. Die Aufgabe für den Lerner ist nun, die Vokabel in die ausgewählte (Mutter)Sprache zu übersetzen. Ob die Übersetzung richtig war, erfährt man nach einem Klick auf den Button „Drehen“ oder einer Wisch-Geste. Danach kann man unter drei Kategorien auswählen: „gewusst“, „nicht gewusst“ oder „unsicher“. Je nach Auswahl wandert die Karte in die nächste Box, verbleibt in der Box oder wandert in die Box „Nicht sicher“. Am Ende einer Lernphase, d.h. wenn die Vokabeln einer Box komplett bearbeitet wurden, wird eine Statistik angezeigt, die einen Überblick über die „Karteikarten“ der verschiedenen Boxen gibt (Bild 10). Neben etlichen Fehlern, die teilweise auf die schlechte Programmierung, zurückzuführen sind (Bilder11 und 12), gibt es wie in der Vokabelapp von Klett genügend fragliche Beispielsätze, die mich daran zweifeln lassen, ob man sinnvoll mit dieser App lernen kann. Ein besonders grasses Beispiel bei der Sprachpaarung Deutsch/Deutsch zeigt das Bild 14. Der Kontext ist wahrscheinlich das Märchen „Rotkäppchen“. Dennoch hätte man sicherlich ein etwas allgemeingültigeres Sprachbeispiel zur Erläuterung der Bedeutung von „schneiden“ finden können und auch m.E. sollen. Andere Beispiele enthalten unfreiwillige komische Elemente (Bild 13). Wie kommen solche Beispiele zustande? Werden sie automatisch generiert und anschließend nicht mehr von einem kompetenten Sprecher überprüft? Oder hat sich ein(e) Praktikant(in) damit abgeplagt? Leider gibt die Beschreibung des Programms auf den offieziellen Seiten der App dafür keine Antwort. Weiterhin gibt es vielleicht auch noch die Möglichkeit, eigene Inhalte einzutragen. Dies konnte ich nicht überprüfen, da bei den Versuchen dazu, das Programm nachvollziehbar und dauerhaft abgestürzt ist (iOS 9) Einen derart hartnäckigen, reproduzierbaren Absturz habe ich bisher noch bei keiner anderen App erlebt. An dieser Stelle war dann auch meine Geduld mit dem Vokabeltrainer des Goethe-Instituts zu Ende. Eine weitere Beschäftigung wäre eine Zeitverschwendung, die ich mir nicht antun möchte.

Zusammenfassung

Mein Rat an das GI: Ziehen Sie die App in der jetzigen Form zurück und lassen Sie sie inhaltlich und vor allem auch technisch überarbeiten.

Mein Rat an Interessenten: Verschwenden Sie nicht Ihren kostbaren Speicherplatz mit dem Vokabeltrainer des Goethe-Instituts. Er ist umständlich zu bedienen, technisch unzulänglich und inhaltlich bietet er nicht mehr als andere Vokabeltrainer, ist aber umständlicher zu bedienen. Da gibt es besseres auf dem Markt – u.a. den hier besprochenen Vokabeltrainer von Klett. Auch wenn man einen kleinen Betrag investieren muss.

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Vokabeltrainer App zu DaF kompakt

Der Vokabeltrainer zu DaF kompakt für das iPhone und das iPad von Klett ist ein typischer Vertreter der Gattung Vokalbeltrainer App. Er bietet eine Benutzeroberfläche, die Karteikarten nachempfunden ist. Der lerntheoretische Hintergrund ist das sogenannte Leitner-Karteikartensystem, bei dem in einem realen Karteikasten die Vokabelkarten in verschiedene Fächer einsortiert werden, nachdem die Antwort korrekt war. Sie wandern dann jeweils in ein weiter hinten gelegenes Fach innerhalb des Karteikastens, bis sie schließlich aussortiert werden können, wenn sie nachhaltig behalten worden sind. In dem virtuellen Karteikasten der App wird diese Wanderung durch die verschiedenen Ablageorte durch eine Farbcodierung simuliert.

Den Vokabeltrainer von Klett kann im AppStore von Apple für verschiedene Lehrwerke von Klett erworben werden. Ich beziehe ich mich für diese Rezension auf die Version für das Lehrwerk DaF kompakt A1.

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Vokabeltrainer

Vokabeltrainer Goethe-Institut

Vokabeltrainer des Goethe-Instituts für iOS (eigene Aufnahme)

Einen Aufsatz zu zitieren, zumal im Zusammenhang mit Technologie, der 30 Jahre alt ist, gilt kaum als akzeptabel. Dennoch erscheint dieses Zitat angebracht, denn es hat leider nichts von der Wahrheit verloren, die es zur Zeit des Erscheinens besessen hat. Im Gegenteil: Es demonstriert, wie wenig sich in dieser Zeit verändert hat und gibt gleichzeitig einen Hinweis darauf, dass vielleicht ein so fortschrittliches und „cooles“ Medium in Wirklichkeit auch sehr konservativ sein kann:

Sinngemäß heißt es in dem Beitrag von Hope/Taylor/Pusack von 1985:

Gib einem Techniker den Auftrag, ein Programm zum Sprachenlernen zu schreiben, und er wird einen Vokabeltrainer programmieren.1

Auch jetzt noch sind die meisten Apps, die DaF-Verlage und andere Lehrinstitutionen herausbringen, sogenannte Vokabeltrainer. In loser Folge möchte ich hier einige dieser Vokabeltrainer besprechen und dabei überlegen, wie diese Apps für das Lernen von Vokabeln hilfreich sein können.

 

 Warum gehören Vokabeltrainer zu den beliebtesten Apps? Wer sich einmal mit Programmieren und Programmierern und der Schnittstelle Programmmierer und Didaktiker beschäftigt oder sogar selbst eigene Erfahrungen mit dieser Arbeit gesammelt hat, weiß, dass Programmierer bei ihrer Arbeit oft in Kategorien von Datenbanken denken. Programmierer stellen eine Technik, die Datenbank, zur Verfügung, die dann von den Didaktikern/Lehrpersonen mit Inhalt bestückt werden kann. Dazu kommen noch Grafiker, die das Ganze möglichst gut aussehen lassen. Diese Art der Zusammenarbeit ist am preisgünstigsten und am zeitökonomischsten. Jede betroffene Partei kann dabei weitgehend unabhängig arbeiten, Absprachen können auf ein Minimum beschränkt werden, denn die Form, d.h. die Struktur der Datenbank, bestimmt den Inhalt.

Anders bei einem freieren Design, das die Didaktik in den Vordergrund rückt: Aufwendiges Feedback, individuelle Aufgaben und Übungen, vielfältige Variationen von Screens kosten Geld, viel Geld. Denn dazu sind viele Absprachen und Sitzungen nötig. Die Programmierung kann u.U. nicht nur als Datenbank, die einfach ausgelesen wird, erfolgen. Darüber hinaus sie ist fehleranfällig, da die Antworten des Lernenden nicht eindeutig voraussagbar ist. Man muss viele Interaktionen bedenken und im Programmiercode abfangen. Das Programm muss zudem nach der vorläufigen Fertigstellung kostspielig getestet werden.

Daher sind Datenbanken des Programmierers liebstes Kind. Ein Programmierer muss die fehlerfreie Funktion des Programms garantieren. Je stringenter das konzipiert ist, desto übersichtlicher sind die Programmstrukturen und desto eher kann ein Programmierer Fehler ausschließen. Kreative Aufgabenvielfalt, die sich z.B. an Ergebnissen der Hirn- und Gedächtnisforschung orientiert, die verschiedene Medien miteinander kombiniert, die inhaltlich und optisch abwechslungsreich daherkommt, stört dabei.

Unterstützt werden die Techniker häufig von der Finanzabteilung der Firma und den Controllern, denn ein solches Programm ist finanziell überschaubar: Die Erstellung einer Datenbank ist kostengünstig, die Bestückung der Datenbank mit Wörtern und Phrasen kann durch Praktikanten vorgenommen werden, vielleicht kann sie sogar automatisch eingelesen werden, wenn das Sprachmaterial in einer bestimmten Form bereits vorliegt. Bestenfalls kann sogar damit ein zuvor schon erstelltes Glossar zweitverwertet werden, was dann den Aufwand noch kostengünstiger werden lässt. Und noch besser: Die Datenbank kann mit Material von anderen Sprachen gefüttert werden. D.h. nicht nur zwei, sondern viele Fliegen mit einer Klatsche. So etwas ist in der Finanzabteilung eher durchsetzbar als ein Lernprogramm, das individuell für einen einzigen Inhalt extra angefertigt wird.

Diese Konstellation, oder zumindest eine ähnliche, ist der Grund dafür, dass Vokabeltrainer nach wie vor zu den beliebtesten technischen Unterstützungen des Lernens gehören. Entscheidungen dafür sind weniger didaktisch geprägt. Im Hintergrund stehen aus den genannten Gründen finanzielle Risikoverringerung bei gleichzeitiger Präsenz in diesem „coolen“ Medium.

Der Unterschied der verschiedenen Vokabeltrainer resultiert dann aus

  • der Fehlerfreiheit der Technik und des Inhalts
  • der geschickten Präsentation des Lerninhalts, der trotz der zugrundeliegenden unflexiblen Datenbanktechnik motivierend und nachhaltig das Lernen und Behalten anregen soll
  • dem Inhalt des Datenmaterials
  • der Flexibilität, mit der sich der Inhalt an eigene Bedürfnisse der Lehrenden und/oder der Lernenden anpassen lässt.

In dieser lockeren Serie über Vokabeltrainer-Apps werde ich diese Kriterien als Maßstab zugrunde legen und versuchen, potentiellen Käufern Entscheidungshilfen zu geben, ob es sich lohnt, Geld und Zeit für die kleinen Programme zu investieren.


Literatur:

Hope, Geoffrey R. / Taylor, Heimy F. / Pusack James P.: „Der Einsatz von Computern im Fremdsprachenunterricht.“ In: Langenscheidt-Redaktion (Hg.): Computergestützter Fremdsprachenunterricht. Ein Handbuch. Berlin, München 1985, 7-66 (Fremdsprachenunterricht in Theorie und Praxis.)

 

1 Da mir der Aufsatz nicht mehr vorliegt, muss ich aus dem Kopf zitieren.

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